Die Ritterschauspiele in Kiefersfelden

Das älteste Volkstheater Deutschlands spielt seit 1618

Jedes Jahr im Juli und August lädt in Kiefersfelden Deutschlands ältestes Volkstheater zu seinen traditionsreichen Ritterspielen ein: ein Erlebnis für die ganze Familie.

Wenn die Kiefersfeldener Ritterschauspiele im Sommer ihre Pforten öffnen, ist das ein Erlebnis für die ganze Familie. Auch wegen des schönen Umlandes ist ein Besuch des Theaters nicht nur ein Vergnügen für Ortsansässige oder Urlauber, sondern auch ein lohnendes Ziel für einen Tagesausflug.

Kiefersfelden

Im Süden Bayerns, an der Mündung des Kieferbachs in den Inn, zwischen Oberaudorf und Kufstein und nur etwa 30 Kilometer südlich von Rosenheim, liegt an der Grenze zu Österreich die Gemeinde Kiefersfelden. Sie hat knapp 7000 Einwohner und wird wegen ihrer Lage zwischen den beiden wuchtigen Gebirgsmassiven des Wilden und des Zahmen Kaisers auch das "Tor zum Kaiser" genannt. Neben den üblichen attraktiven Freizeitmöglichkeiten eines Luftkurortes im Alpenvorland hat Kiefersfelden auch einige Besonderheiten zu bieten: die nostalgische Schmalspurbahn "Wachtl-Express", das Puppentheater mit dem "Boarischen Kaspar" und das älteste Volkstheater Deutschlands, die Kiefersfeldener Ritterschauspiele.

Die Geschichte der Kiefersfeldener Ritterspiele

Die ersten Theateraktivitäten gab es in Kiefersfelden bereits im Jahr 1618 (vereinzelte Berichte sprechen sogar von 1596). Zunächst spielte man Bibelstücke und Heiligenlegenden, doch mit dem bayerischen Passionsspielverbot 1770 und dem Verbot aller geistlichen Stücke 1784 in Bayern mussten sich die Kiefersfeldener Bauern nach anderen Themen umsehen. So entschieden sie sich für das damals ebenso beliebte romantische Ritterdrama.

Den Grundstock des Programms der Ritterschauspiele bilden auch heute noch die Stücke von Josef Georg Schmalz, dem "Bauern-Shakespeare von Kiefersfelden", von dem beinahe jedes Jahr ein anderes Stück dem Publikum präsentiert wird. Schmalz (1804-45) stammte aus dem Zillertal und arbeitete ursprünglich als Kohlenbrenner. 23 Werke hat er nachweislich geschrieben, von denen 10 im Original erhalten sind und im Kiefersfeldener Theaterarchiv aufbewahrt werden.

Auch die Musikstücke, mit denen die 1787 gegründete Musikkapelle Kiefersfelden die Ritterschauspiele umrahmt, fußen auf Originalen aus dem 19. Jahrhundert, großteils aus der Feder des Kantors und zeitweiligen Theaterleiters Sylvester Greiderer.

Bis zu 100 Mitwirkende, Männer, Frauen und Kinder aus Kiefersfelden und der näheren Umgebung, kommen heute alljährlich zusammen, um sich in monatelangen Proben auf die sommerliche Theatersaison vorzubereiten. Ein Laientheater auf höchstem Niveau, das sogar vom bayerischen Kultusministerium als volksbildend und künstlerisch wertvoll eingestuft wird.

Das Theater der Kiefersfeldener

Die erste Spielstätte der Kiefersfeldener war die Laube des "Veitbauern", die dieser seinen theaterbegeisterten Freunden zur Verfügung stellte. Im 17.Jahrhundert entstand dann die erste "Comedihütte", die 1705 zum alleinigen Aufführungsort der Kiefersfeldener wurde.

Das heutige Theater mit seinen 500 Plätzen wurde 1833 erbaut. Es verfügt über die einzige noch erhaltene nach barocker Manier gebaute Drehkulissenbühne Deutschlands. Bühnenbildwechsel sind so in Sekundenschnelle möglich, obwohl alles noch von Hand betrieben wird. Selbst der Donner wird hier noch ohne moderne Technik hervorgebracht: per Hand mit dem "Donnerblech".

Bei den Ritterschauspielen 2009 wird sich das Theater in neuem Glanz präsentieren. Ein lang gehegter Wunsch, die Verbesserung der Bestuhlung, konnte mit der Unterstützung von Gemeinde und Landkreis sowie durch die tatkräftige Hilfe der Spieler durchgeführt werden. Außerdem bekommt der Betonboden einen Holzbelag.

Das Programm der Kiefersfeldener Ritterschauspiele

Zwischen dem 25. Juli und dem 30. August 2009 steht in diesem Jahr 10 Mal "Adellin und Ludmilla", ein "romantisches Ritterschauspiel in 4 Akten", auf dem Programm. Das Stück entstand 1834 und stand bisher lediglich einmal, im Jahr 1872, auf dem Spielplan des Theaters. Hauptpersonen sind der unschuldig verurteilte Adellin von Perlenstein, seine schöne, eingekerkerte Gattin Ludmilla von Erlenstein und der ruchlose Reinhard, der Bruder Adellins, der auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckt. Entführung, Gräueltaten, Räuberromantik, Verzweiflung und Tränen, dies sind die Zutaten, aus denen "Adellin und Ludmilla" gemacht ist. Damit entsprach das Stück mehr als manches andere von Schmalz' Werken dem damaligen Publikumsgeschmack. Dennoch überzeugt es auch heute noch mit seiner effektsicheren Dramatik und den unerwarteten Wendungen.

Zum aktuellen Programm

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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